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Nicht 65 oder 75: Frankreich hat das genaue Alter für den Führerschein-Erhalt jetzt bestätigt.

Ältere Person betrachtet Ausweis vor Laptop, auf dem ein Formular geöffnet ist; Brille, Schlüssel und Karte auf dem Tisch.

Der Warteraum in der Präfektur ist fast still.

Ein Mann in den Siebzigern faltet und entfaltet seinen Führerschein – den alten rosafarbenen –, die Ecken rund geschliffen von Jahrzehnten im Handschuhfach und Sommerfahrten. In der Nähe hilft eine junge Frau ihrer Großmutter, ein Formular auf einem gesprungenen Smartphone auszufüllen. Jemand flüstert: „Die lassen uns doch mit 75 nochmal die Prüfung machen, oder?“ Köpfe nicken, Augen rollen. Niemand weiß so richtig, was überhaupt noch stimmt.

In Frankreich tauchen Gerüchte über eine Altersgrenze für den Führerschein auf wie Radarfallen hinter Hecken. 65, 70, 75 … jedes Café scheint seine eigene „offizielle“ Version zu haben. Für ältere Fahrerinnen und Fahrer ist die Angst real: Das Recht zu fahren zu verlieren, fühlt sich an, als würde ein Stück Leben weggenommen. Für ihre Kinder ist es ein Dilemma zwischen Sicherheit und Respekt.

Die französische Regierung hat die Regeln gerade klargestellt. Und die tatsächliche Antwort ist nicht die Zahl, die viele erwarten.

Gibt es also eine Altersgrenze zum Autofahren in Frankreich?

Der entscheidende Punkt: In Frankreich gibt es keine automatische Altersgrenze, um den Führerschein zu behalten. Nicht 65. Nicht 75. Nicht einmal 80.

Was sich verändert, ist nicht das gesetzliche Recht, einen Führerschein zu besitzen, sondern die Fähigkeit, sicher zu fahren – und die kann durch Ärztinnen und Ärzte und manchmal auch durch die Behörden neu bewertet werden. Das Gesetz sagt nicht: „Ab diesem Geburtstag ist Schluss.“ Es sagt: „Wenn Gesundheit oder Verhalten Anlass zur Sorge geben, wird geprüft.“

Das klingt nach einer technischen Nuance. Auf der Straße – und in Familien – verändert es alles.

Nehmen wir Lucien, 82, aus Lyon. Er fährt noch zweimal pro Woche zum Markt und sonntags zu Freunden. Als ihm ein Nachbar ganz ernst sagte, Führerscheine „würden mit 75 ablaufen“, wollte er beinahe seine Schlüssel abgeben. Seine Tochter recherchierte im Internet, rief bei der Präfektur an, fragte bei einer Fahrschule nach. Überall dieselbe Antwort: keine Altersgrenze – solange kein Arzt ihn für fahruntauglich erklärt hat.

Erleichtert entschied Lucien trotzdem, einen Check-up bei seinem Hausarzt zu machen. Eine leichte Sehkorrektur, ein Hinweis zum Nachtfahren, das war’s. Er behielt seinen Führerschein – und vor allem seine Ruhe. Das eigentliche Risiko war nicht das Gesetz. Es war die Fehlinformation.

Hinter den Gerüchten steckt eine sehr menschliche Angst: dass eine ältere Person einen schweren Unfall verursacht. Die französischen Verkehrssicherheitszahlen sind nuancierter als die üblichen Klischees. Junge Fahrerinnen und Fahrer bleiben die am stärksten gefährdete Gruppe bei tödlichen Unfällen. Seniorinnen und Senioren sind bei einem Unfall verletzlicher, aber nicht automatisch gefährlicher am Steuer – besonders auf vertrauten Strecken.

Das aktuelle System in Frankreich stellt die medizinische Fahreignung in den Mittelpunkt, nicht das Alter allein. Ein Präfekt kann eine ärztliche Untersuchung anordnen, wenn ernsthafte Zweifel an der Fahrfähigkeit bestehen. Manche Erkrankungen erfordern regelmäßige Kontrollen. Dort liegen die echten „Grenzen“: Sehvermögen, Reaktionsfähigkeit, chronische Krankheiten, Medikamentenwirkungen. Das Alter kann diese Faktoren verstärken, definiert sie aber nicht.

Was Sie wirklich tun sollten, um Ihren Führerschein im Alter zu behalten

Der stärkste Schritt nach 65 oder 70 ist erstaunlich simpel: Behandeln Sie Autofahren wie eine Fähigkeit, die man ab und zu überprüft. Nicht obsessiv – einfach ehrlich. Eine kurze Routine hilft: Sprechen Sie einmal im Jahr mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihr Fahren. Erwähnen Sie Schwindel, langsamere Reaktionen, Probleme beim Einschätzen von Abständen oder Stress an Kreuzungen.

Kombinieren Sie das mit einem praktischen Check: eine kurze Auffrischungsstunde in einer Fahrschule oder ein „Senioren am Steuer“-Workshop in Ihrer Stadt. Eine Stunde auf der Straße mit einer Fachperson kann Gewohnheiten sichtbar machen, die man selbst nicht mehr bemerkt. Kleine Anpassungen bei Route, Fahrzeiten oder Tempo können Ihre sicheren Fahrjahre stärker verlängern, als Sie denken.

Keine Bürokratie. Nur eine Art persönlicher TÜV fürs Fahren.

In der Familie ist das Schwierigste das Gespräch. Beim Sonntagsessen landet das Thema früher oder später immer auf dem Tisch: „Mama, bist du sicher, dass du nachts noch fahren solltest?“, „Papa, der Kreisverkehr letzte Woche …“ Alle werden angespannt. Niemand will so klingen, als würde er die Schlüssel wegnehmen.

Wenn es schlecht läuft, klingt es wie ein Vorwurf. Wenn es gut läuft, klingt es wie Fürsorge. Der Unterschied liegt oft in einem Satz: „Ich bewerte dich nicht – ich mache mir Sorgen, weil ich dich liebe.“ Praktisch gesehen schlagen Familien, die das gut hinbekommen, meist Optionen statt Verbote vor: Fahrten teilen, Stoßzeiten meiden, medizinische Checks gemeinsam planen, alternative Routen ausprobieren oder für schwierige Strecken den öffentlichen Verkehr nutzen.

Seien wir ehrlich: Niemand macht das wirklich jeden Tag. Das Ziel ist nicht Perfektion. Es geht darum, überhaupt anzufangen.

Für viele Seniorinnen und Senioren ist der Führerschein nicht nur eine Plastikkarte. Er ist ein Symbol für Autonomie, für Würde, dafür, nicht für jede Kleinigkeit um Hilfe bitten zu müssen. Eine pensionierte Lehrerin aus Bordeaux sagte mir:

„An dem Tag, an dem ich meinen Führerschein abgebe, verliere ich nicht nur ein Auto. Ich verliere meine Spontaneität. Und Spontaneität ist das, was mich lebendig fühlen lässt.“

Genau hier lässt das französische System ohne starre Altersgrenze Raum für Nuancen. Niemand wird gezwungen, mit 75 nur wegen eines Datums im Ausweis aufzuhören. Gleichzeitig ist niemand vor der Realität geschützt, wenn Ärztinnen, Ärzte oder Behörden das Fahren als zu riskant einstufen.

Um diese Grauzone zu navigieren, helfen ein paar einfache Orientierungspunkte:

  • Nehmen Sie wiederkehrende Kommentare von Mitfahrenden über Ihr Fahrverhalten ernst.
  • Achten Sie darauf, ob Beinahe-Unfälle häufiger werden.
  • Beobachten Sie, ob Sie bestimmte Strecken aus Angst vermeiden – nicht nur aus Vorliebe.
  • Behalten Sie neue Medikamente im Blick und mögliche Nebenwirkungen auf Aufmerksamkeit und Wachheit.
  • Akzeptieren Sie spätestens nach 70 mindestens eine professionelle Fahr-Einschätzung.

Was diese Klarstellung heute für Sie verändert

Zu wissen, dass Frankreich bis 75, 80 und darüber hinaus keine harte Altersgrenze gesetzt hat, verändert die innere Erzählung: Sie laufen nicht gegen eine willkürliche Uhr. Sie managen eine Fähigkeit. Allein das kann Scham reduzieren, die manche Seniorinnen und Senioren empfinden, wenn sie beginnen, Hilfe anzunehmen oder weniger lange Fahrten zu machen.

Es verlagert den Fokus außerdem auf konkrete Anzeichen statt diffuse Ängste. Sie müssen mit einem Elternteil nicht über „Alter“ streiten. Sie können über konkrete Situationen sprechen: das übersehene Stoppschild im letzten Monat, die falsche Spur im Kreisverkehr, Schwierigkeiten mit neuen Verkehrsführungen. Das Gesetz stützt diese Sicht: Es geht um tatsächliche Eignung, nicht um Stereotype.

Für jüngere Fahrerinnen und Fahrer ist diese Klarstellung ebenfalls eine Erinnerung: Sicherheit im Straßenverkehr ist kein Generationenkampf zwischen „gefährlichen“ Senioren und „leichtsinniger“ Jugend. Es ist eine gemeinsame Lernkurve.

Viele erfahren diese Rechtslage erst, wenn sie ihren Ausweis erneuern oder einen alten Führerschein umtauschen müssen. Der Schock ist oft doppelt: erstens, dass der rosafarbene Papierführerschein möglicherweise Jahrzehnte gültig ist; zweitens, dass nichts im Gesetz sie zwingt, an einem bestimmten Geburtstag aufzuhören. Genau dort fühlt sich Verantwortung schwerer an. Freiheit ohne klares Ablaufdatum ist tröstlich – und anspruchsvoll.

Gesellschaftlich gesehen altert Frankreich. In den nächsten Jahren werden immer mehr Fahrerinnen und Fahrer über 65 sein. Die öffentliche Debatte wird wahrscheinlich immer wieder zurückkehren: Soll es verpflichtende medizinische Checks ab einem bestimmten Alter geben? Einen verpflichtenden Test alle fünf Jahre nach 75? Bisher ist die Antwort der Gesetzgeber vorsichtig: Risiko gezielt adressieren – nicht das Alter allein.

Bis sich das ändert, liegt die eigentliche Macht in Wohnzimmern, Arztpraxen und auf dem Beifahrersitz. In den stillen Momenten, in denen jemand zugibt: „Auf dem Stadtring fühle ich mich nicht mehr so sicher“, oder „Vielleicht sollte ich nachts nicht mehr fahren.“ Das Gesetz lässt Raum für diese Entscheidungen. Es trifft sie nicht für uns.

Diese bestätigte Abwesenheit einer Altersobergrenze sagt auch etwas darüber aus, wie Frankreich seine älteren Bürgerinnen und Bürger sieht: nicht als Block „zu alter“ Fahrer, sondern als Individuen mit sehr unterschiedlicher Gesundheit, Reflexen und Lebensweisen. Manche 60-Jährige sind erschöpft, gestresst, halb schlafend am Steuer. Manche 85-Jährige fahren weiterhin kurze, vorsichtige Strecken zur Bäckerei und zurück.

Die eigentliche Frage ist also nicht: „In welchem Alter nimmt mir der Staat den Führerschein weg?“ Sondern: „Ab wann entscheide ich – mit meinem Arzt und meiner Familie –, dass das Risiko es nicht mehr wert ist?“ Diese Frage laut zu teilen, ist unangenehm. Und zugleich sehr erwachsen.

Wir alle kennen den Moment, wenn ein Angehöriger leise den Schlüssel auf den Tisch legt und fast scherzhaft sagt: „Ich glaube, das war’s für mich.“ Da ist Nostalgie, ein bisschen Trauer, manchmal auch eine Welle Erleichterung. Kein Gesetz kann diese Sekunde choreografieren. Sie ist chaotisch, menschlich, voller alter Urlaube und künftiger Ängste.

Die bestätigte Regel – keine feste obere Altersgrenze, um den Führerschein in Frankreich zu behalten – lässt Platz für diese sehr persönlichen Enden und Anpassungen. Sie lädt uns ein, früher zu reden, uns selbst mit weniger Verdrängung und mehr Freundlichkeit zu beobachten und Mythos von Recht zu trennen. Es gibt keine magische Zahl, die jemanden über Nacht sicher oder gefährlich macht.

Vielleicht ist das der beunruhigendste Teil. Und vielleicht ist es auch eine Chance: ein angstbesetztes Thema in gemeinsame Verantwortung zu verwandeln, statt in einen Kampf zwischen Generationen. Unsere Eltern zu fragen, wie sie sich wirklich am Steuer fühlen. Und eines Tages zuzulassen, dass unsere Kinder unsere Gewohnheiten hinterfragen – ohne Scham.

Wenn das nächste Mal jemand im Café behauptet: „In Frankreich verlierst du mit 75 den Führerschein“, wissen Sie: Das stimmt nicht. Die Realität ist komplexer, flexibler und – auf gewisse Weise – anspruchsvoller. Sie fordert uns auf, öfter in den Spiegel zu schauen. Und auf die Straße.

Kernpunkt Detail Nutzen für Leserinnen und Leser
Keine gesetzliche Altersgrenze Kein automatisches Ablaufdatum des Führerscheins mit 65, 70 oder 75 Jahren in Frankreich Beruhigt Seniorinnen und Senioren und korrigiert angstfördernde Gerüchte
Medizinische Eignung vor Alter Präfekt oder Ärztin/Arzt können bei Zweifel die Fahrfähigkeit neu bewerten Hilft zu verstehen, wo die tatsächlichen Risiken und Kontrollen liegen
Persönliche und familiäre Strategien Gesundheitscheck, Fahrstunden, Familiengespräch, Anpassung von Strecken Liefert konkrete Maßnahmen, um länger sicher zu fahren

FAQ

  • Gibt es in Frankreich ein Höchstalter, um den Führerschein zu behalten?
    Rechtlich: nein. Es gibt kein festes Alter, ab dem der Führerschein automatisch ungültig wird. Entscheidend sind medizinische Fahreignung und Fahrverhalten – nicht der Geburtstag.
  • Muss man mit 70 oder 75 eine medizinische Untersuchung machen?
    Es gibt keine systematische Untersuchung für alle Fahrerinnen und Fahrer mit 70 oder 75. Verpflichtend wird eine Untersuchung nur in bestimmten Fällen: bei bestimmten Erkrankungen, bei beruflichen Fahrerlaubnissen oder wenn der Präfekt eine Begutachtung anordnet.
  • Kann der Präfekt mir den Führerschein wegen meines Alters entziehen?
    Nicht allein aufgrund des Alters. Er kann einschreiten, wenn Hinweise vorliegen, dass Gesundheit oder Fahrverhalten ein erhebliches Risiko darstellen – häufig nach einer medizinischen Beurteilung oder einem schweren Verkehrsereignis.
  • Was soll ich tun, wenn ich mir Sorgen um das Fahrverhalten eines älteren Angehörigen mache?
    Beginnen Sie mit einem ruhigen Gespräch über konkrete Situationen, nicht über das Alter allgemein. Regen Sie einen Arztbesuch an, schlagen Sie eine Auffrischungsstunde mit Fahrlehrer vor und bieten Sie Alternativen für besonders stressige Fahrten an.
  • Kann man aufhören zu fahren, aber den Führerschein behalten?
    Ja. Man kann freiwillig nicht mehr fahren, ohne den Führerschein formell abzugeben. Manche behalten ihn als Ausweis oder für den Fall, dass sie ihn für Carsharing oder sehr gelegentliche Fahrten in Begleitung doch noch brauchen.

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